audio
87 x 123 cm
1989
Mischtechnik auf Papier
1066
unvollendet
2005
Mischtechnik auf Papier
125 x 235 cm
2001
Öl auf Leinwand
197

»Das Bild sagt mir also sich selbst«

88 x 123 cm
2000
Mischtechnik auf Papier
408
88 x 123 cm
2000
Mischtechnik auf Papier
409
49 x 63 cm
2000
Mischtechnik auf Papier
2
21 x 30 cm
1998
Mischtechnik auf Papier
33
21 x 30 cm
1998
Mischtechnik auf Papier
49
22 x 39 cm
1993
Mischtechnik auf Papier
144

Presence of an Absence
11.9.–14.11.2026

Kuratiert von Max Dax

 

Christine König Galerie Wien
Schleifmühlgasse 1A
1040 Wien

 

Ausstellungsansicht Sabine REUTER Presence of an Absence | curated_by Max DAX, Christine König Galerie, Wien 2026, Foto: Manuel Carreon Lopez
200 x 200 cm
1996
Öl auf Leinwand
261
26 x 33 cm
1998
Mischtechnik auf Papier
31
86 x 120 cm
2002
Mischtechnik auf Papier
23
Pegasus nach erfolgreichem Flug
40 x 60 cm
1996
Mischtechnik auf Papier
97
150 x 200 cm
1994
Öl auf Leinwand
218
150 x 200 cm
1994
Öl auf Leinwand
220

»Ein roter Fleck sieht anders aus, als einer der nicht rot ist«

–Ludwig Wittgenstein
88 x 123 cm
1999
Mischtechnik auf Papier
1111
86 x 120 cm
1985
Mischtechnik auf Papier
1115
20 x 28 cm
1998
Mischtechnik auf Papier
41

l’amour
die tür
the chair
der bauch

le tür
d’amour
der chair
the bauch

le chair
der tür
die bauch
th’amour

–Auszug aus dem Gedicht
»chanson« von Ernst Jandl
30 x 41 cm
2004
Mischtechnik auf Papier
7
30 x 41 cm
2004
Mischtechnik auf Papier
6
130 x 200 cm
2000
Öl auf Leinwand
252
Ausstellungsansicht Sabine REUTER Presence of an Absence | curated_by Max DAX, Christine König Galerie, Wien 2026, Foto: Manuel Carreon Lopez

Christine König Galerie (Wien) zeigt im Rahmen von curated by eine von Max Dax kuratierte Ausstellung der 2005 verstorbenen Malerin Sabine Reuter (11. September – 14. November 2026).

 

Presence of an Absence bringt ein zeichnerisches und malerisches Werk zurück in die Öffentlichkeit, das über zwei Jahrzehnte nahezu vollständig bewahrt geblieben ist – und dessen eigentümliche Gegenwärtigkeit heute umso deutlicher hervortritt.

 

Sabine Reuter starb 2005 im Alter von nur 51 Jahren. Sie hinterließ mehr als tausend Zeichnungen und Malereien und ein nahezu vollständig erhaltenes Atelier in Stuttgart, das nach ihrem Tod dank des Engagements ihres Mannes Richard Lampert unangetastet blieb.

 

Wer dieses Atelier heute betritt, begegnet der Anwesenheit einer Abwesenheit. Bücher, Fotoalben und Planschränke, Farben, Lacke und Gipsabgüsse, Zeitungsausschnitte, Fundstücke und die Rohstoffe ihrer Malerei sind geblieben. Im Portugiesischen gibt es für eine solche Erfahrung den Begriff saudade: die Anwesenheit einer Abwesenheit. Diese „presence of an absence“ bildet den Ausgangspunkt der Ausstellung.

 

Reuter war eine Künstlerin der Verdichtung. Ihre Malerei entstand aus einem Denken, das Literatur, Lyrik, Musik, Philosophie, Mathematik und Alltagsbeobachtung nicht voneinander trennte. Sie las Gertrude Stein, Ernst Jandl, Thomas Bernhard, Elfriede Jelinek, Robert Musil, Ingeborg Bachmann und Paul Celan; Ludwig Wittgenstein wurde zu einem wichtigen Bezugspunkt. Aus der Beschäftigung mit Sprache übernahm sie weniger Aussagen, als Verfahren: Verkürzung, Wiederholung, Bruch, Verschiebung und Auslassung. Was in einem Gedicht eine Silbe oder in einer Formel ein Zeichen sein kann, wird bei ihr zu Farbe, Fläche, Material und Spur.

 

Ihre Bilder sind deshalb keine Illustrationen von Gedanken. Sie sind Denkbewegungen – und zugleich von einem ausgeprägten Gespür für Rhythmus getragen. Raumaufteilungen, Proportionen und Farbfolgen wirken bisweilen wie visuelle Versmaße. Der unsichtbare Puls von Musik und der Rhythmus konkreter Lyrik finden in ihrer Malerei eine Entsprechung, ohne sich je in eindeutige Bedeutungen übersetzen zu lassen.

Buchstaben, Zahlen, Daten, Textfragmente, Zeitungsausschnitte, Städtekarten und mathematische Formeln treffen auf Gips, Sand, Schellack und selbst gemischte Pigmente.

 

Dabei folgen ihre Arbeiten einer bemerkenswerten Balance aus Präzision und Offenheit. Schicht liegt auf Schicht, das Übermalen von Darunterliegendem wird zum elementaren Teil des Bildes, bleibt als Spur, Ahnung oder Widerstand präsent. In diesem Sinne sind Sabine Reuters Bilder Palimpseste: Sie bewahren die Geschichte ihrer Entstehung, ohne sie preiszugeben.

 

„Das Bild sagt mir also sich selbst“, lautet eine ihrer opaken, aus der Literatur entnommenen Formulierungen. Darin liegt eine wesentliche Qualität ihrer Arbeit: Das Bild muss nichts anderes bedeuten, um etwas zu sein. Es kann Fragen stellen, Assoziationen freisetzen und den Blick aus seiner gewohnten Ordnung bringen.

 

Vielleicht wirken ihre Arbeiten gerade deshalb heute so wenig historisch. Ihre Beschäftigung mit Fragmenten und Überlagerungen, mit Sprache, Material, Informationssplittern und offenen Bedeutungssystemen berührt eine Gegenwart, in der Wirklichkeit selbst zunehmend aus Ausschnitten, Zeichen, Daten und übereinanderliegenden Bildern zu bestehen scheint.

 

Presence of an Absence versteht sich daher weniger als nachträgliche kunsthistorische Einordnung Sabine Reuters, denn als frische Wiederbegegnung mit einem überraschend, die heutige Zeit vorausahnenden Werk, das lange aus dem öffentlichen Blick verschwunden war.

 

Zur Ausstellung erscheint ein von Max Dax und Richard Lampert herausgegebenes, 80-seitiges Buch mit einer längeren Oral History, Atelieransichten und zahlreichen Werkabbildungen.

 

(Text: Max Dax, 2026)

150 x 200 cm
1994
Öl auf Leinwand
1062
Prototyp II
31 x 44 cm
1993
Mischtechnik auf Papier
119
23 x 29 cm
1998
Mischtechnik auf Papier
43
19 x 29 cm
1998
Mischtechnik auf Papier
42
88 x 123 cm
1998
Mischtechnik auf Papier
426
30 x 38 cm
1989
Mischtechnik auf Papier
270
30 x 38 cm
1989
Mischtechnik auf Papier
269
150 x 240 cm
1996
Öl auf Leinwand
195
30 x 41 cm
2004
Mischtechnik auf Papier
1079
88 x 123 cm
1998
Mischtechnik auf Papier
435
Ausstellungsansicht Sabine REUTER Presence of an Absence | curated_by Max DAX, Christine König Galerie, Wien 2026, Foto: Manuel Carreon Lopez
1953
Geboren in Stuttgart
1969-1972
Porzellanmalerin in der Porzellanmanufaktur Ludwigsburg mit abschließender Gesellenprüfung
1973
Briglin Pottery London
1973
Bühnenbild bei Prof Gerd Richter Stuttgart
1973-1977
Studium der Malerei und Grafik, Akademie der bildenden Künste in Wien, Professor Maximilian Melcher, Meisterschulpreis
1976-1980
Studium der Musik, Hochschule für Musik und darstellende Kunst Wien, Gitarrenklasse Professor Luise Walker
1981
Mexiko
1985
New York
1988
London
1989
Malersymposium der Landesregierung Salzburg in Werfen
2005
Gestorben in Stuttgart